Der kleine Engel ABIGAIL

 
 

A  Message From Archangel Michael February, 2002
Channeled by Carolyn Ann O’Riley

Der vorliegende Auszug wurde mit freundlicher Genehmigung der Autorin übersetzt. Das Material ist durch Copyright geschützt.
Der gesamte Text ist verfügbar unter dieser Webadresse:
http://www.carolynannoriley.com.

AA MICHAEL:

Hier ist eine Geschichte vom kleinen Engel Abigail, die Euch hilft, besser zu verstehen. Sie löst vielleicht sogar Eure Erinnerung wieder aus.

Abigail antwortete eines Tages auf ein Inserat im „Engel-Anzeiger“.
„ENGEL GESUCHT“ stand da, und zwar solche, die willens wären, sich für die Teilnahme an einem großartigen Spiel auf der Erde zu inkarnieren. Und so war der Wortlaut der Anzeige:

ENGEL GESUCHT!
Voraussetzung: Erfahrung im Bereich Inkarnation
Erwünscht: Bereitschaft zum Reisen
Geboten wird die Teilnahme am größten derzeit bekannten Projekt der Jetzt-Zeit.
Das Projekt trägt die Bezeichnung „PLANET ERDE“.
Bewerbung nur für Fortgeschrittene möglich!
(Anfänger zwecklos)

Nun, Abigail war schon einmal auf der Erde gewesen, genau zwei irdische Tage lang. Und so hoffte sie, das sei Qualifikation genug für den Job.

Vor dem eigentlichen Bewerbungsgespräch saß sie im Wartezimmer zusammen mit anderen Engelbewerbern, die alle viel älter waren als sie selbst, und lauschte deren Erzählungen über ihre unterschiedlichen Inkarnations-Erlebnisse auf dem Planeten Erde. Was sie zu hören bekam, ließ ihren Wunsch nur noch umso größer werden, sie wollte unbedingt auch dorthin..

Schließlich war Abigail an der Reihe und wurde hineingebeten in das Büro des *Personalchefs für Freiwillige Engel*. Der warf nur einen Blick auf diesen winzigen Engel vor ihm und kratzte sich an der geistigen Essenz seines Kinns. „Abigail, Abigail, Abigail ... wie um Himmelswillen bist du nur auf die Idee gekommen, dass diese Position etwas sein könnte für so ein winziges Etwas an Unerfahrenheit wie dich?! Abigail – es handelt sich hierbei um einen sehr schwierigen und  knochenharten Auftrag!“ Der *Personalchef für Freiwillige Engel* lächelte auf sie herab, während er sprach.

„Zuerst einmal musst du eine Liste anfertigen mit all den Erfahrungen, die du auf der Erde gewillt bist zu machen, und das muss sorgfältig geplant sein. Vergiss nicht, je härter die Erfahrung ist, desto schneller verläuft dein persönliches Wachstum“, fuhr er dann fort.

„Danach musst du diesen Plan deinem *Engel-Laufbahnberater* zur Überprüfung einreichen. Und falls dein Berater zustimmen sollte, dann musst du losgehen und dir für jeden einzelnen Teil deines Plans die erforderlichen Teilnehmer zusammensuchen, die Spieler, die Retter in der Not, die Gegner. Viele diese Spieler befinden sich bereits auf dem Planeten Erde, daher muss zunächst Kontakt aufgenommen werden mit ihrer geistigen Essenz hier, damit sie sich mit dem Vertrag einverstanden erklären können“, umriss der Personalchef die Problematik des Falls.

„Abigail, beim letzten Mal bist du nur als Ersatzspieler für jemand anderen eingesprungen, und das auch nur für ganze zwei Tage, und du hast es verabscheut! Wieso also jetzt? Weißt du nicht mehr, als du zurückkamst, wie schrecklich du das alles gefunden hast? Weißt du noch, wie du geschworen hast, du würdest so etwas niemals wieder tun?“ fragte der Personalchef.

„Ich weiß, Sir, aber es fühlt sich so an, als müsste ich es einfach tun, damit ich mehr Erfahrungen sammeln kann und schneller weiterkomme auf meiner Evolutions-Spirale. Ich meine, sehen Sie mich doch an, Sir – ich bin immer noch winzig, und dabei bin ich doch schon so lange hier! Ja natürlich weiß ich, dass es auch andere Möglichkeiten zum Wachstum gibt – aber die sind alle so furchtbar langsam! Bitte nehmen Sie mich, Sir! Ich werde mich selbst bestimmt nicht enttäuschen, wenn Sie es tun!“ beteuerte Abigail ernsthaft.

„Abigail, du weißt, wie schwer es mir schon immer gefallen ist, dir etwas abzuschlagen. Also gut, geh und stelle deine Liste zusammen und mache einen Termin mit deinem Laufbahnberater! Ich rufe ihn an und sage ihm, dass ich einverstanden bin“, gab der Personalchef schließlich nach.

„Vielen Dank, Sir! Ich verspreche Ihnen, sie werden stolz auf mich sein können. Vielen Dank, dass Sie mir die Chance geben, Sir! Ach, und würden Sie bitte dem Schöpfer ausrichten, dass ich mich auch bei Ihm bedanke, Sir?“ Und damit schickte Abigail sich an, den himmlischen Verwaltungstrakt wieder zu verlassen.

„Ich werde es dem Schöpfer ausrichten, Abigail, aber ich bin nicht ganz sicher, ob es wirklich das ist, was der Schöpfer für dich im Sinn hatte, als er dich ins Sein hauchte. Die Blaupause, die er dir mitgab, sieht eigentlich keine solchen Aktivitäten für dich vor!“ Die Stimme des Personalchefs klang ein wenig betrübt, als er das sagte.

„Ich weiß, Sir“, sagte Abigail bittend, „aber dies ist es, was ich wirklich ausprobieren will!“ Und damit verschwand sie endgültig.

Abigail arbeitete und schuftete, bis sie endlich ihre Liste mit den Erfahrungen zusammengestellt hatte, die sie für ihr eigenes Wachstum zu durchleben gewillt war. Sie war ganz tief in sich hineingegangen und hatte dort dieses unbändige Verlangen, diese unstillbare Absicht zu wachsen gefunden. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass irgend etwas sie davon abhalten könnte, die nächsten Schritte auf ihrer Entwicklungsspirale zu tun – alles würde sie auf sich nehmen, wenn sie nur endlich wuchs! Neben jedem Ereignis auf der Liste hatte sie sorgfältig vermerkt, welche Mitspieler sie jeweils für die erforderlichen Rollen brauchen würde und mit wem sie einen Vertrag darüber abschließen musste.

Dann meldete Abigail sich im Büro ihres *Engel-Laufbahnberaters*. Sie präsentierte ihrem Berater sowohl die Liste mit den geplanten Erlebnissen als auch die Auflistung aller erforderlichen Mitspieler.

Der *Engelberater* vertiefte sich in die Liste und las sie aufmerksam durch. Dann hob er den Kopf und musterte den winzigen Engel nachdenklich. „Abigail, deine Liste hat es aber ordentlich in sich! Und du bist absolut sicher, dass du wirklich durch all diese Schrecken, alle die Tränen und die Trauer und die Verzweiflung hindurch willst, nur damit du schneller wächst? Du weißt, es gibt auch andere Möglichkeiten zu wachsen – wir sprechen ja nicht zum ersten Mal darüber!“

Abigail antwortete: „Ja, das ist wahr, wir haben schon öfter darüber gesprochen. Aber dies hier sind alles hilfreiche Erfahrungen, die ich dringend brauche, damit ich meine jetzigen Engelziele erreichen kann.“

„Ich verstehe“, sagte der *Berater-Engel*, „schließlich war auch ich einmal ein kleiner Engel. Du erinnerst dich aber noch an deine letzte Erfahrung, nicht wahr?“ setzte er seine Befragung fort.

„Ja“, gab Abigail zu, „aber dies hier ist wirklich wichtig für mich. Bitte helfen Sie mir dabei, damit ich das tun kann!“

„Abigail, ich werde dir helfen, so gut ich irgend kann. Nur – für uns hier wird es sehr schwer sein mit anzusehen, wie du durch diese Liste der Schrecken gehst, die du dir da ausgearbeitet hast!“ stellte der *Engelberater* fest. Und er mahnte noch einmal zur Vorsicht: „Wenn du erst auf der Erde bist, dann bist du an den Vertrag gebunden und musst wirklich da hindurch, denn ein Zurück gibt es dann nicht mehr. Hast du das auch wirklich gut verstanden?“

„Ja, das ist mir klar“, antwortete Abigail und fühlte, wie die Anspannung allmählich in ihr wuchs. „Aber ich kann es schaffen!“

„Und du weißt auch, dass es noch eine alternative Möglichkeit gibt, nicht wahr, Abigail? Du könntest zum Beispiel für jemand anderen ein Schutzengel sein. Auch das würde dir die Gelegenheit zum Wachstum und zu irdischen Erfahrungen geben!“ wandte der Engelberater noch einmal ein.

„Weiß ich“, sagte Abigail.
"Aber es dauert dann viel länger mit dem Wachsen als bei diesem Weg hier! Wachstum ist für mich jetzt am allerwichtigsten!"
 

„Okay. Dann geh und sammele deine Mitspieler ein und sag ihnen, sie sollen einen Termin bei mir machen!“ Der *Berater-Engel* musste sich seine Zustimmung förmlich abringen.

„Vielen, vielen Dank! Ich wusste, dass ich mich auf Ihre Hilfe und Unterstützung verlassen kann!“ freute sich Abigail.

„Da wäre noch eine Sache, Abigail“, hielt der *Berater-Engel* den kleinen Engel noch zurück. „Ich selbst werde mich freiwillig als einer deiner Schutzengel melden. Zumindest kann ich dir dann die Liebe schicken, die du so sehr verdienst, selbst wenn du dich weder an dieses Gefühl noch an mich erinnern kannst, solange du dort bist! Abigail – dir ist doch klar, wie schwer es uns fallen wird, mir und all denen, die du ausgewählt hast, das alles mit anzusehen …?“

Abigail schaute ihrem Engelberater in die Augen. „Ja. Dass Du bei mir sein wirst dort, das bedeutet mir sehr viel. Ich weiß, es wird mir helfen. Danke!“

„Abigail, die Materie ist so dicht auf der Erde und deine Erinnerung wird vollkommen vor dir verborgen sein, wie hinter einem dichten Schleier, aber ich versichere dir, ich werde tun, was immer in meiner Macht steht, damit du dich erinnerst!“ versprach der *Berater-Engel* noch.

Abigail lächelte, aber sie wirkte noch ein bisschen angespannter, als sie ihr Dankeschön wisperte.

Alle geplanten Mitspieler fanden sich nach und nach im Büro des *Berater-Engels* ein und erklärten sich traurig mit den ihnen zugedachten Rollen einverstanden. Sie alle hofften immer noch, Abigail würde ihre Meinung noch ändern und mindestens die Hälfte von ihrer Erfahrungsliste streichen. Niemand wollte wirklich die für ihn vorgesehene Rolle spielen, sie alle redeten fieberhaft auf Abigail ein und versuchten, sie davon abzubringen. Keiner von ihnen war sich sicher, ob Abigail überhaupt ahnte, zu was sie sich da verpflichtete. Aber weil sie den kleinen Engel alle so sehr liebten, stimmten sie schließlich schweren Herzens zu. Die Rollen, die die meisten von ihnen zu spielen hatten, waren abscheulich und gemein, und niemand wollte das eigentlich. Aber sie verstanden Abigails Sehnsucht nach Wachstum, und daher akzeptierten sie es schließlich in bedingungsloser Liebe.

Abigail nahm mit ihrer künftigen irdischen Mutter über deren spirituelles Selbst Kontakt auf. Ein Geburtsvertrag wurde geschlossen und das irdische Datum dafür festgesetzt. Die spirituellen Essenzen aller bereits auf der Erde befindlichen Mitspieler wurden ebenso kontaktiert und unter Vertrag genommen.

Der Zeitpunkt für Abigails Abstieg in die Materie war gekommen. Ein letztes Mal verhandelten alle mit Abigail und flehten, sie möge ihnen doch den Vertrag erlassen – aber es nützte nicht das Geringste. Wer nicht bereits auf der Erde war, stellte sich in einer Reihe auf, um sich alle seine Erinnerungen tief verschleiern und anschließend den kleinstmöglichen Anteil seiner Essenz vom Großen Selbst abtrennen zu lassen. Und sie alle erlebten, wie dieses winzige Teilchen ihrer wahren Essenz hinaus in die Dunkelheit geschleudert wurde – es fiel und fiel und fiel und wurde dabei immer schwerer und schwerer, bis es schließlich in sein materielles Gefäß, in seinen biologischen Körper eintauchte.

Abigails Schutzengel und die Schutzengel aller Mitspieler hatten bereits auf ihre Ankunft gewartet. Und so konnten ihre Erfahrungen auf der Erde beginnen.

Abigails spirituelle Familie und ihre Schutzengel schwebten um eine von Hunger geplagte aidskranke Mutter herum, die gerade im Begriff war, ihr siebtes Kind zur Welt zu bringen. Alle sechs Kinder waren ihr gestorben, denn die Mutter konnte nicht einmal sich selbst ernähren, geschweige denn ihre Kinder. Diese Mutter lebte in einer der gewalttätigsten Gegenden der Erde.

So kam also Abigail als Kind einer an AIDS erkrankten Mutter zur Welt, und diese gab ihr nach der Geburt den Namen Mary. Mary war selbst mit dem Virus infiziert. Die Mutter nahm dieses winzigkleine, halbverhungerte Baby in die Arme, drückte es an sich und konnte einfach nur weinen. Die Mutter sah ihr noch feuchtes Neugeborenes voller Liebe an und sagte: „Weißt du, ich kann dich nicht füttern, und ich bin selbst so krank. Ich weiß nicht, was aus Dir werden soll, aber vielleicht überlebst du ja.“  Und eine Träne rollte über ihre Wange und benetzte Marys kleines, nasses Gesichtchen.

Mary schrie und schrie, hungrig, nass und voller Angst. Ihre spirituelle Familie und ihre Schutzengel versammelten sich ganz dicht um sie und sandten ihr Liebe. Alle Essenzen der Höheren Selbste sahen zu und sandten ihr ebenfalls ihre Liebe. Es schien so, als würde sich Mary ein wenig beruhigen, aber das hielt nur für wenige Augenblicke vor. Dann begann sie wieder zu weinen.

Soldaten hörten das Babygeschrei und traten die Kiste beiseite, unter der Marys Mutter während der Geburtswehen Schutz gesucht hatte. Die Mutter töteten sie mit einem einzigen Schuss. Das wenige Minuten alte Neugeborene packten sie an einem Beinchen, äußerten etwas wie „noch so ein Mädchen – das fehlt gerade noch“ und schleuderten es gegen eine Mauer. Marys winziger Kinderkörper wurde schlaff. Die Soldaten kümmerten sich nicht weiter darum, ob Mary tot war oder nicht und gingen weiter. Ihr spirituelle Familie und ihre Schutzengel aber schwebten ganz nah an sie heran, Marys Höheres Selbst sandte starke Strahlen der Liebe. Sie versuchten sie mitzunehmen, aber Mary klammerte sich an ihr irdisches Leben und wollte nicht loslassen. Da sandten sie ihr Liebe und weinten um sie und sandten ihr noch mehr Liebe.

Eine alte Frau bog um die Ecke und als sie das Baby sah, nahm sie es auf. Sie hüllte es in ihr Schultertuch und nahm es mit. Füttern konnte sie Mary nicht, aber sie konnte sie ein paar Augenblicke lang in den Armen halten und ihr Liebe geben. Dieses arme kleine Mädchen tat ihr so unendlich leid. Es war kein Leben für Frauen in diesem Land, das von Hass überschwemmt war.

Die alte Frau brachte Mary zu einer Gruppe anderer Frauen, die um ein Lagerfeuer saßen, um sich ein wenig aufzuwärmen. Eine von ihnen hatte gerade ihr eigenes Baby verloren, das sie selbst gestillt hatte. Sie nahm das schlaffe kleine Mary-Bündel auf den Arm und versuchte das Baby zu säubern, so gut sie es ohne Wasser eben vermochte. Sie begann leise zu singen und wiegte das Kleine hin und her. Mary öffnete schließlich die Augen. Die freundliche Frau schenkte ihr ein Lächeln, dann gab sie ihr die Brust und Mary schlief ein. Marys Höheres Selbst ließ sie nicht aus den Augen und schickte Liebesstrahlen hinunter, während ihre spirituelle Familie und ihre Schutzengel niemals von ihrer Seite wichen.

Marys Leben verbesserte sich auch danach nicht, sondern eine schreckliche Erfahrung folgte auf die andere. Marys Höheres Selbst strahlte unermüdlich Liebe auf sie herab, und immer waren ihre Schutzengel bei ihr, genau wie ihre spirituelle Familie. Sie sandten ihr Liebe, sie verließen sie niemals. Sie besuchten sie in ihren Träumen und versuchten beständig, Marys Erinnerung wachzurufen, damit sie wieder wusste, wer sie waren und dass sie jedes einzelne ihrer schrecklichen Erlebnisse selbst geplant hatte.

Mary aber fühlte sich einfach nur allein, traumatisiert und in ständiger Angst gefangen. Ihr Leben währte zwar im Verhältnis zu vielen anderen der Dorfbewohner nur kurz, 15 Jahre, aber das tat nichts zur Sache. Tag für Tag erwachte Mary und wünschte, sie wäre tot. AIDS hatte ihren Körper fast völlig zerstört. Sie hatte Hunger, sie war krank, sie fühlte sich von niemandem geliebt. Marys Höheres Selbst sah das alles und strahlte Liebe herab, ihre Schutzengel und ihre spirituelle Familie waren immer da und schickten ihr Liebe. Sie ließen nicht nach in ihren Bemühungen, den Kontakt mit ihr herzustellen, und sie bedienten sich dabei der äußersten Mittel, die das Universelle Gesetz des Freien Willens gerade noch zuließ. Aber kein Funke der Erinnerung dämmerte.

Der Augenblick kam, als sie ihren letzten irdischen Atemzug tat. Marys Höheres Selbst sah zu, strahlte Liebe und freute sich auf die Wiedervereinigung, Ihre Schutzengel und ihre spirituelle Familie waren die ganze Zeit über niemals von ihrer Seite gewichen. Erst als sie ihren letzten Atemzug tat, da glomm ein Funke des Wiedererkennens in Mary auf, als nämlich ihr Schutzengel (ihr ehemaliger Berater-Engel) mit ihr sprach und ihr erklärte, was da vor sich ging und dass es Zeit sei, nach Hause zurückzukehren.

Sie lächelte und wandte ihm ihr Gesicht zu, dann begann sie mit ihm zu reden. Die paar Menschen, die sich um ihren sterbenden Körper versammelt hatten, konnten sich nicht erklären, warum sie lächelte und mit wem sie da zu sprechen versuchte.

Die Engel und ihre spirituelle Familie scharten sich um ihre winzige Essenz, als diese das Gefäß der Materie verließ und die Rückreise antrat, um sich wieder mit der Hauptessenz ihres Höheren Selbsts zu vereinen. Ihr *Berater-Engel* (der ehemalige Schutzengel) erklärte ihr: „Abigail, du wirst eine Zeit der Stille und der Reflexion brauchen, um das zu verarbeiten und in dich aufzunehmen, was du während dieser Inkarnation erlebt hast. Es ist also vollkommen in Ordnung, wenn du jetzt nicht sprechen möchtest. Wir sind so überaus stolz auf dich! Du hast tatsächlich getan, was du geplant hattest und du hast dein Bestes gegeben. Du hast dir wahrlich das Wachstum verdient, nach dem du so verlangt hast auf dieser Reise!“

Abigail lächelte, sah ihren *Berater-Engel* an und sagte: „ Weißt du, während ich mitten drin war, schien es mir überhaupt nicht so traurig zu sein wie während der Rückschau, als ich es mit meinen spirituellen Augen noch einmal an mir vorbei ziehen ließ! Du hattest so Recht damals – bevor ich ging, hatte ich gar nicht richtig begriffen, wie viel Trauma ich tatsächlich für mich eingeplant hatte. Ich bin froh, dass es vorbei ist. Auf der Erde habe ich manchmal im Traum gemerkt, dass ihr versucht habt, Kontakt mit mir aufzunehmen. Ich habe jedes Mal versucht, einen Schritt in Eure Richtung zu tun – und dann war der Moment auch schon wieder vorbei.“

Sie sah hinüber zu all den anderen, die ihren Rollenvertrag zu ihrem Drama mit ihr abgeschlossen hatten und sagte: „Ich möchte Euch danken dafür, dass ihr das für mich getan habt! Und ich möchte, dass Ihr mir verzeiht. Ich weiß jetzt, dass ich euch gebeten habe, die Rollen eines Mörders und Vergewaltigers und aller möglichen gemeinen Wesen zu übernehmen. Ihr habt das getan, weil ihr mich liebt. Ich konnte dadurch mein Wachstum bewerkstelligen, und dafür bin ich euch allen zutiefst dankbar! Niemand nennt mich jetzt mehr *die winzige Abigail*, denn ich bin in dieser Zeit unglaublich gewachsen!“

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Gechannelt von Carolyn Ann O'Riley.
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Das ist wirklich ergreifend!!!!!

Bitte nehmt euch die Zeit, diese Zeilen zu lesen! Dauert nur 3 Minuten und tut nicht weh ! Denk doch bei der nächsten Heimfahrt mal an diese Geschichte: Andi schaute kurz noch einmal auf das Tachometer, bevor er langsamer wurde: 79 innerhalb einer Ortschaft. Das vierte Mal in 4 Monaten. Wie konnte ein Typ denn so oft erwischt werden? Als er sein Auto auf 10 km/h abbremste, fuhr Andi rechts ran. Der Polizist, der ihn angehalten hatte, stieg aus seinem Auto aus. Mit einem dicken Notizbuch in der Hand. Christian? Christian aus der Kirche? Andi sank tiefer in seinen Sitz. Das war nun schlimmer als der Strafzettel. Ein christlicher Bulle erwischt einen Typen aus seiner eigenen Kirche. Einen Typen, der etwas Angespannt war, nach einem langen Tag im Büro. Einen Typen, der morgen Golf spielen wollte. Als er aus seinem Auto sprang, erblickte er den Polizisten, den er jeden Sonntag in der Kirche sah. Er hatte erst nur den Mann in Uniform gesehen. "Hi Christian. Komisch, dass wir uns so wieder sehen!" "Hallo Andi." Kein Lächeln. " Ich sehe du hast mich erwischt in meiner Eile nach Hause zu kommen, um meine Frau und Kinder zu sehen." "Ja, so ist das." Christian, der Polizist schien unsicher zu sein. "Ich bin in den letzten Tage erst sehr spät aus dem Büro gekommen. Ich denke auch, dass ich die Verkehrsregeln nun mehr als einmal gebrochen habe." Andi war nervös und ungeduldig. " "Verstehst du, was ich meine ?" "Ich weiß, was du meinst. Ich weiß auch, dass du soeben ein Gesetz gebrochen hast." Aua. Dies geht in die falsche Richtung. Zeit die Taktik zu ändern. "Bei wie viel hast du mich erwischt?" "Siebzig. Würdest du dich bitte wieder in dein Auto setzen?" "Ach Christian, warte bitte einen Moment. Ich habe sofort auf den Tacho geschaut, als ich dich gesehen habe! Ich habe mich auf 65 km/h geschätzt!" Andi konnte mit jedem Strafzettel besser lügen. "Bitte Andi, setz dich wieder in dein Auto." Genervt quetschte Andi sich durch die noch immer offene Türe. Ein Knall und die Tür war zu. Er starrte auf sein Armaturenbrett. Christian war fleißig am schreiben auf seinem Notizblock. Warum wollte Christian nicht Führerschein und Papiere sehen? Was auch immer der Grund war, es würden einige Sonntage vergehen, bis er sich in der Kirche wieder neben diesen Polizisten setzen würde. Christian klopfte an die Tür. Er hatte einen Zettel in der Hand. Andi öffnete das Fenster, maximal 5cm, gerade genug, um den Zettel an sich zu nehmen. Christian gab ihm den Zettel durch. "Danke." Andi konnte die Enttäuschung nicht aus seiner Stimme halten. Christian setzte sich wieder ins Auto ohne ein Wort zu verlieren. Andi wartete und schaute durch seinen Spiegel zu. Dann faltete er den Zettel auf. Was würde ihn dieser Spaß wieder kosten? Hej! Warte mal! War das ein Witz? Dies war kein Strafzettel. Andi las: "Lieber Andi, ich hatte einmal eine kleine Tochter. Als sie sechs Jahre alt war starb sie bei einem Verkehrsunfall. Richtig geraten, der Typ ist zu schnell gefahren. Einen Strafzettel, eine Gebühr und drei Monate Knast und der Mann war wieder frei. Frei um seine Töchter wieder in den Arm nehmen zu dürfen. Alle drei konnte er wieder lieb haben. Ich hatte nur eine und ich werde warten müssen, bis ich in den Himmel komme, bevor ich sie wieder in den Arm nehmen kann. Tausendmal habe ich versucht diesem Mann zu vergeben. Tausendmal habe ich gedacht, ich hätte es geschafft. Vielleicht habe ich es geschafft, aber ich muss immer wieder an sie denken. Auch jetzt. Bete bitte für mich. Und sei bitte vorsichtig, Andi. Mein Sohn ist alles was ich noch habe. Gruß Christian" Andi drehte sich um und sah Christians Auto wegfahren. Er fuhr die Straße wieder runter. Andi schaute bis er nicht mehr zu sehen war. Erst ganze 15 Minuten später fuhr er langsam nach Hause. Er betete um Verzeihung und zu Hause angekommen nahm er seine überraschte Frau und Kinder in den Arm und drückte sie ganz fest.  Das Leben ist so wertvoll. Behandle es mit Sorgfalt. Dies ist eine sehr wichtige Nachricht, bitte gib sie weiter an alle anderen Freunde. Fahr vorsichtig und mit Verständnis anderen gegenüber. Vergiss nie, Autos kann man wieder kaufen - so viele man will. Menschenleben aber nicht!!! In diesem Sinne bleibt gesund und munter, damit wir uns noch oft treffen können, um Spass miteinander zu haben.
Es war der 24. Dezember, und es schneite. Gleichmütig und gleichmäßig fiel der Schnee. Er fiel auf die Fabrik für künstliche Blumen, und sein frisches Weiß gab dem häßlichen Backsteinbau etwas beinahe Heiteres. Er fiel auf die Villa des Fabrikanten, deren eckige Fassade er mit gefälligen Rundungen versah, und er fiel auf das Einfamilienhaus des Werkmeisters, aus dem er ein drolliges Zuckerhäuschen machte.
In den Hallen der Fabrik war um diese Zeit keine Menschenseele, Ein mißglücktes Veilchen aus Draht und Wachs sinnierte im Kehrichteimer vor sich hin, eine eiserne Tür zum Hof bewegte sich quietschend in den ausgeleierten Scharnieren.
In der Villa nebenan telefonierte die Gnädige zum viertenmal aufgeregt mit der Tierhandlung wegen der bestellten Schildkröte.
Früher, als junge Dame, war die Gnädige entzückend aufgeregt gewesen. Jetzt war sie nur noch aufgeregt.
Im Einfamilienhaus schrieb das jüngste der elf Kinder, die kleine Sabine, zum viertenmal ihren Wunschzettel: „Lihber Weihnachtsman ich möchte, eine Schildkröte hahben deine Sabine.“
Die Gnädige erwartete die Schildkröte zur Suppe. Sabine erwartete sie als Spielgefährtin. Und der Zufall in Gestalt eines Botenjungen sprach die Schildkröte derjenigen zu, die sie verdiente.
Hier muß endlich bemerkt werden, daß die Villa und das Einfamilienhaus eine Kleinigkeit gemeinsam hatten: Das Namensschild an der Tür. Auf beiden Schildern las man „Karl Moosmann“. Zwar las man bei dem Fabrikanten einen Buchstaben mehr, nämlich „Karl F. Moosmann“. Aber für derlei feine Unterschiede haben Zufälle und Botenjungen kein Auge.
So kam es, daß die Schildkröte ins Einfamilienhaus gebracht wurde, wo man sie freudig und arglos in Empfang nahm.
Vater Moosmann glaubte weder an Engel, die als Botenjungen verkleidet kommen, noch an die Gaben guter Feen. Aber er glaubte daran, daß die kleinen Wünsche kleiner Kinderherzen Gewalt über Menschen und Dinge haben. Deshalb freute er sich, als der liebenswürdige Zufall seinen Glauben bestätigte.
Sabine erhielt das unerwartete Geschenk schon vor der Bescherung. Die erste Begegnung mit dem Tier verlief für beide Teile etwas unglücklich. Die Schildkröte unterschied sich von der geliebten Bilderbuchschildkröte nämlich dadurch, daß sie zappelte, wenn man sie aufhob, und daß sie bei ungeschickter Berührung sogar fauchte. Das irritierte Sabine so heftig, daß sie das Tier fallen ließ. Zum Glück fiel es nicht tief. Sabine maß noch keinen Meter.
Das Mädchen konnte vor Schreck nur „plumps“ sagen. Doch dann hob sie das Tier trotz der strampelnden Beine wieder auf, streichelte den hell- und dunkelbraun geschuppten Panzer und sagte: „Armer Plumps!“ Und damit war das Tier getauft. Aus einer beliebigen Schildkröte war sie zu einer bekannten geworden, zur Schildkröte Plumps Moosmann.
Indessen telefonierte die Gnädige zum fünftenmal mit der Tierhandlung, und ihre metallische Stimme kippte dabei zuweilen leicht über: „...ist doch großer Unfug. Wie kann sie hier sein, wenn niemand sie gebracht hat? ... Bitte?... Nein, Schildkrötensuppe!... Schildkrötensuppe!... Was sagten Sie?... Die letzte? Das wird ja immer heiterer! Ich habe sie doch zeitig genug bestellt!... Ist denn der Bote noch nicht zurück?... Wie?... Also dann rufe ich in einer halben Stunde noch einmal an. Wenn sie dann noch nicht da ist, haben Sie einen Kunden weniger!Adieu!“
Der Hörer fiel scheppernd in die Gabel und die Gnädige in den Teakholzsessel. Erst jetzt bemerkte sie, daß ihr Sohn Alexander in der Tür stand.
„Bekomme ich auch eine Schildkröte zu Weihnachten, Mama?“
Als die Gnädige antwortete, war ihr Stimme um einen Ton weicher als gewöhnlich. „Die Schildkröte ist für die Suppe, Alex! Vater wünscht sich eine echte Mockturtlesuppe zum Fest.“
Alexander zog eine Schnute, die ihm reizend stand, und wollte abziehen. Aber er besann sich anders, drehte sich noch einmal um und äußerte betont beiläufig: „Sabines Schildkröte heißt Plumps. Sie wird nicht zu Mucketurtelsuppe verarbeitet.“
Dann wollte er endgültig gehen. Aber diesmal hielt die Mutter ihn zurück.
„Was ist das für eine Schildkröte, von der du sprichst, Alex?“
„Sabine hat heute nachmittag eine Schildkröte zu Weihnachten bekommen. Sie weiß nicht, von wem. Sie heißt Plumps.“
„Heute nachmittag, sagst du? Warte, bitte!“
Zum sechstenmal an diesem Nachmittag des 24. Dezember telefonierte die Gnädige mit der Tierhandlung. Der Bote war gerade zurückgekommen und berichtete, daß er das Tier bei Karl Moosmann abgeliefert habe.
Damit war die Sache klar: Sabine hatte versehentlich die Schildkröte der Gnädigen bekommen. Also wurde Alexander ins Nachbarhaus geschickt, um den Irrtum aufzuklären und die Schildkröte herüberzuholen.
Die Moosmannkinder nebenan waren allesamt rothaarig. Das Rot ihrer Schöpfe reichte vom blassen Gold bis fast zum Zinnober. Sie waren gerade dabei, sich für die Bescherung umzuziehen, als Alexander herübergestürmt kam. So traf der Bub nur Mieze, die Älteste, die in der Küche stand und kochte. Die kleine Sabine bemerkte er nicht; denn sie hockte mit ihrer Schildkröte hinter der halb offenen Küchentür.
„Du, Mieze, es ist unsere Schildkröte!“ schrie er ohne jede Einleitung. „Wir brauchen sie für die Mucketurtelsuppe. Der Bote hat sie aus Versehen zu euch gebracht!“
„Mockturtlesuppe kocht man aus Kalbsköpfen und nicht aus Schildkröten“, bemerkte Mieze, denn sie besuchte eine Kochschule.
„Trotzdem ist es unsere Schildkröte. Wo ist sie?“
Mieze zuckte mit den Schultern und schielte unauffällig zur Küchentür. Aber weder Sabinchen noch die Schildkröte waren zu sehen. Sie gab Alexander den Rat, im ersten Stock nachzuforschen.
Im Mädchenschlafzimmer des ersten Stocks fingen vier Moosmannmädchen bei Alexanders Eintritt zu kreischen an. Sie probierten gerade drei gewaltige Petticoats. Das belustigte Alexander. Aber die Schildkröte hatte er noch immer nicht.
Im Jungenschlafzimmer spielte er mit drei Moosmannbuben Domino. Das war aufregend. Aber die Schildkröte hatte er noch immer nicht.
Auf der Treppe lief er dem alten Moosmann in den Weg, der schon von der Verwechslung gehört hatte und die Stirn krauste.
„Wenn die Schildkröte euch gehört, muß Sabine sie zurückgeben“, meinte er. „Es gibt ja noch mehr Schildkröten auf der Welt. Sag deiner Mutter, wir brächten das Tier, sobald wir Sabine gefunden haben.“
Alexander raste mit dieser Nachricht in die Villa zurück, und zehn Moosmannkinder suchten Sabine mit ihrer Schildkröte.
Eine Stunde später suchte man das Schwesterchen noch. Schließlich wurde Mieze in die Fabrikantenvilla geschickt, um nachzuforschen, ob Sabine schon dort sei. Aber auch dort war das Mädchen nicht.
Erst jetzt begriff Mieze, was geschehen war: Sabine hatte die Unterhaltung in der Küche belauscht und sich mit ihrer Schildkröte irgendwo versteckt, um das Tier behalten zu können. Aber wo steckte das Kind?
Mieze erzählte der Gnädigen von ihrer Vermutung und fügte hinzu: „Echte Mockturtlesuppe wird übrigens aus Kalbskopf hergestellt, obwohl man sie fälschlich Schildkrötensuppe nennt.“
„Sind Sie ganz sicher?“ fragte die Gnädige.
„Ganz sicher“ , antwortete Mieze. „Ich besuche einen Kochkurs. Außerdem können Sie es in jedem Lexikon nachlesen.“
„Danke für die Belehrung, mein Kind“, erwiderte die Gnädige.
„Unter diesen Umständen erlaube ich Sabine, die Schildkröte zu behalten!“
„Vorausgesetzt, wir finden Sabine“, gab Mieze ruhig zurück und verließ die Villa.
Draußen schneite es noch immer. Es dunkelte schon, und die Stunde der Bescherung rückte näher. Aber im Hause der Moosmannkinder zeigte sich keine Sabine.
Hin und wieder kam Alexander von der Villa herüber und fragte, ob das Mädchen gefunden sei. Aber er kehrte jedesmal ergebnislos zu seiner Mama zurück.
Gegen halb fünf zog die Gnädige ihren Pelzmantel an und ging selbst ins Nachbarhaus. Obschon sie für die heillose Verwechslung nichts konnte, fühlte sie eine Art Mitschuld.
Mutter Moosmann saß als ein Häufchen Elend in der Küche. Vater Moosmann donnerte sinnlose Befehle ins Haus und scheuchte seine Kinder in die entferntesten Winkel.
In diesem Wirrwarr verwandelte sich die nervöse Aufregung der Gnädigen plötzlich in erstaunliche Tatkraft um.
„Frau Moosmann, bereiten Sie die Bescherung vor!“ sagte sie in so entschiedenem Ton, daß Mutter Moosmann wirklich aufstand und sich am Küchentisch zu schaffen machte.
„Glauben Sie, wir finden Sabine?“ Mutter Moosmann schluckte bei der Frage.
„Wir werden sie alle zusammen suchen“, antwortete die Gnädige. „Und ich bin sicher, wir finden sie!“
Unter Leitung der Gnädigen begann eine planmäßige Suche durch das ganze Haus, an der Vater Moosmann sich merkwürdig widerspruchslos beteiligte. Der Kloß in seiner Kehle wurde immer kleiner, als er eine Aufgabe hatte.
Aber der Kloß wuchs zur alten Größe, als nach einer halben Stunde das Ergebnis der Suche feststand: Sabine war nicht im Haus.
Jetzt war die Gnädige nicht mehr so zuversichtlich wie zuvor. Aber sie zwang sich, es niemanden merken zu lassen.
„Sabine hat das Haus verlassen“, stellte sie mit betont sachlicher Stimme fest. „Wir müssen die ganze Nachbarschaft durchkämmen. Ich habe einen Mann, einen Sohn und zwei Dienstboten. Die werden mitsuchen. Jeder nimmt ein Revier. Ich übernehme die Fabrik.“
Zunächst wurde von der Villa aus mit der Polizei telefoniert. Aber die hatte kein Mädchen mit Schildkröte aufgegriffen. Immerhin wollte sie die Augen offenhalten.
Dann schwärmte man, einschließlich Fabrikant und Hausmädchen, nach einem genau durchdachten Plan unter dem wirbelnden Schnee in die Häuser und Gassen der Nachbarschaft aus.
Die Gnädige schritt entschlossen in den Hof der Fabrik und entdeckte hier eine weit offenstehende Eisentür.
Als sie durch die Tür in die Fabrik trat und das Licht einschaltete, hörte sie aus einer entfernten Ecke der riesigen Halle eine Art leises Quieken. Sie wandte den Kopf und entdeckte rechts hinten in der Ecke ein ganz in sich zusammengekrümmtes Geschöpfchen: Sabine.
„Aber Kind, was machst du denn da?“ Ihre Stimme hallte kalt und fremd durch den Raum.
„Du kriegst die Schildkröte nicht!“ schrie das Mädchen. „Plumps gehört mir!“
Erst jetzt bemerkte die Gnädige, daß Sabine auf dem Kehrichteimer hockte und die Schildkröte auf dem Schoß hatte.
Sie schritt quer durch die Halle auf das Mädchen zu, das noch mehr in sich zusammenkroch und ihr mit großen, ängstlichen Augen entgegensah.
„Du kannst die Schildkröte behalten, Sabine! Ich brauche sie nicht mehr.“
Das Kind umklammerte die Schildkröte. Ihre Augen verrieten Zweifel.
Die Gnädige war verwirrt und wiederholte: „Du kannst die Schildkröte behalten!“
Als sie fast vor Sabine stand, rief das Mädchen: „Du lügst! Du willst Suppe aus ihr kochen! Aber man kann die Suppe auch aus Kalbsköpfen kochen, sagt Mieze.“
Jetzt mußte die Gnädige lachen. „Du hast recht“, gab sie zu. „Die Suppe, die ich kochen will, macht man aus Kalbskopf. Deshalb brauche ich überhaupt keine Schildkröte.“
„Schwöre, daß es meine Schildkröte ist!“
Halb befremdet, halb belustigt, legte die Gnädige eine Hand auf das Herz, hob die andere zum Schwur und versicherte feierlich: „Ich schwöre, daß die Schildkröte mit Namen Plumps der Sabine Moosmann gehört!“
„Jetzt glaube ich dir!“ Das Mädchen stand auf, setzte die Schildkröte zu Boden und sagte: „Nun zeige ich dir, wie schnell Plumps laufen kann!“
„Zeig es mir später, Sabine. Wir müssen heim. Ich glaube, du hast dich erkältet. Und Plumps muß auch in die Wärme zurück. Die meisten Schildkröten halten nämlich um diese Zeit ihren Winterschlaf.“
„Weiß ich“, bestätigte Sabine mit Kennermiene. „Ich muß eine Kiste mit Torf für Plumps besorgen.“
Plötzlich begann die Schildkröte heftig mit den Beinen zu strampeln, und Sabine fing an zu niesen. Da ergriff die Gnädige entschlossen die freie Hand des Mädchens und ging mit ihr durch den fallenden Schnee hinüber zum Haus der Moosmannkinder.
Unterwegs meinte Sabine: „Wenn du keine Suppe aus Schildkröten kochst, könntest du dir eigentlich eine Schildkröte zum spielen anschaffen!“
„Geht nicht, Sabine! Plumps war die letzte Schildkröte in der Tierhandlung. Die anderen liegen im Winterschlaf.“
Das kleine Mädchen blieb plötzlich stehen, zögerte einen kurzen Augenblick, blickte die Schildkröte an, die sich unter ihrem Panzer verkrochen hatte, und legte sie sanft der Gnädigen in den Arm. „Ich schenk sie dir zu Weihnachten! Es gibt ja noch andere Schildkröten. Ich bestell mir eine im Frühling.“
Die Gnädige sah verwirrt auf die Schildkröte, die auf dem weichen Pelz des Mantels vorsichtig den Kopf hervorstreckte.
„Es gefällt ihr bei dir“, sagte Sabine.
„Trotzdem glaube ich, daß du mehr Zeit für die Schildkröte hast als ich, Sabine. Ich gebe dir das Geschenk zurück.“
Wieder wechselte das verschüchterte Tier den Besitzer.
Sabine strahlte. „Du hast recht“, meinte sie. „Ich kann mich mehr um Plumps kümmern als du. Außerdem ist sie ja schon an mich gewöhnt. Du bist viel netter, als ich dachte. Vielen, vielen Dank und fröhliche Weihnachten.“
Die Gnädige schluckte ein bischen und sagte mit ungewohnt weicher Stimme: „Fröhliche Weihnachten, Sabine!“
Dann wanderten sie Hand in Hand weiter und wurden bald von den Flocken verdeckt, die gleichmäßig und gleichmütig auf Gerechte wie auf Ungerechte fielen.